Prävention und Urwaldtheorie
Die Prävention spielt im Rahmen der Allergenvermeidung eine sehr wichtige Rolle. Hier sollen Tipps gegeben werden wie man die Prävention als Allergiker umsetzen kann. Es sollen überwiegend allgemeine Tipps gegeben werden. Entscheide du bitte welche Art der Prävention bei deiner allergischen Erkrankung für dich am geeignetsten zu seien scheint.
Auch soll eine relativ neue Theorie zum Thema Allergie angesprochen werden, die sogenannte Urwaldtheorie, echt spannend, lass dich überraschen.
Prävention
1.Bettwäsche regelmäßig wechseln, waschen und . mit Encasings, (milbenundurchlässiges Material) überziehen. Bitte nicht die Matratze dabei vergessen.
2.In der Wohnung auf sogenannte Staubfänger verzichten. Auch wenn es etwas ungemütlich zu sein scheint sollten die Möbel leicht feucht abwischbar sein und auf Teppiche sollte verzichtet werden. Oder Sie verwenden regelmäßig ein Milbenspray
Allgemein
3.Jegliche unspezifische Reizung der Atemwege, wie z.B. durch Zigarettenrauch muss vermieden werden. Bitte daran denken, dass dazu auch das Passivrauchen zählt.
Pollen
4. Zur Pollenflugzeit sich nicht im Schlafzimmer ausziehen sondern im Bad, damit die Pollen, die sich in der Kleidung befinden, nicht, wenn man sich in Schlafbereich umzieht, über Nacht eingeatmet werden und allergische Beschwerden auftreten können.
5. Täglich die Haare waschen, um die Pollen daraus zu entfernen.
6. Um die Kontamination der gewaschenen Wäsche mit Pollen zu vermeiden, Wäsche drinnen, z.B. im Trockner trocknen und nicht draußen, damit sich darin keine Pollen sammeln können.
7. Abhängig wo man wohnt zu bestimmten Zeiten die Fenster geschlossen halten. So hat man in der Stadt morgens zwischen 6 und 8 Uhr die niedrigste Pollenkonzentration und auf dem Land von 19 bis 24 Uhr gemessen. Die Messung erfolgt über eine Pollenfalle. Das kann regional aber schwanken.
8. Vor das Fenster sogenannte Pollenschutzgitter spannen. Wenn du Birkenpollenallergiker sein solltest beim warmen Winter schon im Dezember damit beginnen, denn da fliegen schon die Haselpollen und wie wir gelernt haben, gibt es zwischen den Birken-und Haselpollen eine Kreuzreaktion, also leiden so Birkenpollenallergiker dann schon im Dezember durch die Haselpollen.
9. Im Auto Klimaanlage mit Pollenfilter. Fenster etc. geschlossen halten.
10. Neuerdings gibt es Luftreinigungsgeräte für die Wohnung, die kannst du einmal testen, ob sie dir als Pollenallergiker und auch Hausstaubmilbenallergiker Linderung bringen.
Haustierallergiker
11. Nach Möglichkeit keine Haustiere halten.
Anmerkung
Eine interessante Untersuchung zeigte, dass das Halten von zwei Hunden vorteilhaft sein kann. Hier spielen die Endotoxine (s.u.) eine Rolle. Aber das muss noch weiter untersucht werden. Die Untersuchungen sind noch nicht richtig abgeschlossen.
Auf alle Fälle bringt das regelmäßige Waschen der Katze was, da so die Allergene, die durch den Speichel der Katze auf das Fell übertragen werden, weggewaschen werden. Nur ist es nicht so einfach eine Katze zu waschen, versuch es mal mit Kettenhandschuhe an.
Beruf
12.Berufliche Pläne sollte man besonders als Atopiker (Allergie wird vererbt) gut überdenken, ggf. sollte man das mit seinem Allergologen/in besprechen. So atmet der Bäcker viel Mehlstaub ein das auch mit Vorratsmilben kontaminiert sein kann oder dem Reismehlkäfer (Tribolium confusum), der auch Allergien auslösen kann.
Latex
13. Latexallergiker sollten eine Plakette bei sich tragen, damit nicht, z.B. bei der Behandlung eines Unfalls, er durch die Sanitäter mit Latexhandschuhen in Kontakt kommt und es zu einem allergischen Zwischenfall kommt.
Allergietagebuch
Um zu sehen, was so gut es geht zu meiden ist, sollte ein Allergietagebuch geführt werden, wo du Beobachtungen einträgst und dem Arzt zur Eingrenzung des Allergens, dieses mitteilen kannst.
Entspannungsmethoden
14.Studien ergaben, dass Stress bei fast jedem dritten Allergiker die Allergien verschlimmert, deshalb sollte man an den Einsatz von Entspannungsmethoden denken, wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder Yoga.
Insektengifte
Auf eine Prävention möchte ich auch noch explizit eingehen, da diese Allergie oft lebensbedrohend sein kann, nämlich die Prävention bei der Insektengiftallergie.
Das größte Risiko besteht da bei Aktivitäten im Sommer.
So sollen Haarsprays, Parfüms etc. vermieden werden, da das die Insekten anzieht.
Bei der Gartenarbeit sollen Handschuhe, lange Hosen und Hemden mit langen Ärmeln getragen werden.
Von den Nahrungsgründen der Insekten muss man sich fernhalten, wie Blumenerde, Kleefelder, Obstgärten mit reifer Frucht und Gemüseständen.
Beim Essen draußen sollte man Marmeladen, Honig, süße Früchte und Getränke wie z.B. Cola meiden.
Man sollte z.B. einen Autoinjektor mit sich führen, den man bei einem Insektenstich schnell selbst einsetzt, aber auch gleich den Arzt bitte rufen. Es kann Lebensgefahr bestehen (anaphylaktischer Schock, Kreislaufzusammenbruch).
Sinnvoll wäre auch, wenn man eine Plakette z.B. als Armband bei sich tragen würde, die dich als entsprechenden Insektengiftallergiker kennzeichnet.
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Der Einsatz der unterschiedlichen Präventionsmethoden kann auch zur Reduzierung des Medikamenteneinsatzes bei dir führen.
Urwaldtheorie
Ein neuerer Ansatz der Prävention stellt die URWALDTHEORIE dar. Diese Beobachtung wurde zum ersten mal von einem Schweizer Arzt auf dem Land gemacht. Kurz heißt es:
geringere Hygiene und Leben auf dem Land kann eine optimale Prävention sein, um allergischen Erkrankungen vorzubeugen. Seriöse wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin. Bei der so bezeichneten Urwaldtheorie spielen die Endotoxine die entscheidende Rolle, sie sind Bestandteil der Membran grammnegativer Bakterien, die vermehrt durch Geflügel und Haustiere im Stall auf dem Bauernhof vorkommen So stellte man fest, dass die Endotoxinkonzentration in Betten bei Bauernkinder deutlich höher lag als bei nicht Bauernkindern. Je höher die Endotoxinkonzentration war, desto weniger Heuschnupfen und asthmatische Beschwerden konnten bei den Kindern festgestellt werden. Das Endotoxin scheint aber nur in frühester Kindheit einen Schutzeffekt auf das atopische Asthma und Heuschnupfen zu haben.
Also ich kann nur empfehlen sich mit der Urwaldtheorie und dem Einfluss von Endotoxinen auf die Allergie mehr aus wissenschaftlicher Sicht zu befassen. Da gibt es noch viel zu tun. Wir hätten da einen neuen Ansatz, der für Hebammen interessant sein könnte. Gern können sie uns dazu kontaktieren.
Juni 2021 Dr. Rüdiger Wahl
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