Was sind Allergene?
- avantal.de
- 31. Mai 2021
- 4 Min. Lesezeit
Allergene sind überwiegend Proteine (Eiweißstoffe), die sich u.a. in ihren Molekulargewichten unterscheiden, was über die SDS-PAGE und den Westernblot ermittelt werden kann.
Nahezu alle Proteine können auch als Allergen bei entsprechend disponierten Personen fungieren. Aber es gibt auch einige Medikamente, wie z.B. Penicillin, die über allergene Aktivität verfügen, aber keine Proteine sind.
Wenigstens zu 95% sind Allergene Eiweißstoffe (Proteine). Diese Allergene können bei einer Typ 1 Allergie, das ist eine Allergie, die über das IgE (Immunglobulin E) mediiert ist, die entsprechenden Symptome einer allergischen Erkrankung beim Menschen auslösen.

Die wichtigsten Allergene sind:
Pollen von Gräsern, Bäumen Kräutern z.B. Wiesenlieschgras, Birke und Beifuss.
Milben, wie den Hausstaubmilben, z.B. Dermatophagoides pteronyssinus, Dermatophagoides farinae etc., oder den Vorratsmilben z.B. Acarus siro.
Tierepithelien, z.B. von der Katze und dem Hund
Schimmelpilze wie Alternaria alternata und Cladosporium herbarum.
Insektengifte z.B. von der Biene und Wespe
Und Nahrungsmittel z.B. vom Hühnerei und der Kuhmilch.
Diese stellen die meisten „Substanzen“ dar, die Allergien bei entsprechend disponierten Personen auslösen können, wobei sich die Allergie mit unterschiedlichen Symptomen bemerkbar machen kann.
Zu erwähnen sind auch die Berufsallergene, wie z.B. das Mehl beim Bäckerasthma, Labortiere, wie z.B. Ratte oder Latex (Handschuhe). Letzteres kommt vornehmlich in Gesundheitsberufen zum Tragen.
Friseure können auf Haarfärbemittel allergisch reagieren wie z.B. Henna. Unsere Untersuchungen ergaben, dass Henna farblos eine geringere allergene Potenz aufwies als Henna rot.
Bei Tischlern können allergische Reaktionen durch das Einatmen von Holzstäube (bei sägen) hervorgerufen werden. Untersuchungen zeigten, dass exotische Hölzer wie z.B. Mahagoni und Teak eine höhere allergene Aktivität aufwiesen als die jeweils einheimischen Hölzer wie z.B. die der Fichte.
Auch so genannte „Hobbyallergene“ gibt es. Diese machen sich u.a. bei Aquarianern, die auf Fischfutter allergisch sind bemerkbar. Die Quelle für die Allergie auf Fischfutter beispielsweise, sind die Chironomiden, die den Fischfutter beigegeben werden, und die eigentliche allergene Potenz aufweisen. Das Fischfutter staubt beim verfüttern auf und der Staub mit den Allergenen wird dabei inhaliert.
Angler können allergische Reaktionen bei Kontakt mit den Köder, wie die Larve der blauschimmernden Schmeißfliege entwickeln, was gemeinsam mit Herrn Dr. Ehl unter Zuhilfenahme unterschiedlicher biochemischer Techniken nachgewiesen werden konnte.
Auch können einige Medikamente Allergien auslösen.
Dabei handelt es sich überwiegend um Pseudoallergien. Unter Pseudoallergie versteht man, dass die Reaktionen beim Menschen wie bei einer Typ I Allergie auftreten, aber das nicht über den Typ I (IgE mediiert) läuft.
Deshalb kann man die Pseudoallergie auch nicht serologisch im Serum über das entsprechende spezifische IgE nachweisen.
Mit all den vorgenannten Allergenen kommen Menschen überwiegend durch das Einatmen, Hautkontakt, orale Einnahme oder Injektion, beim Insektenstich, in Kontakt.
Am stärksten von Allergien betroffen sind die Atopiker/innen, denn Allergien werde vererbt.
Es gibt aber auch seltene Allergene, die bei entsprechend disponierten Personen einen großen Leidensdruck auslösen können. Darauf soll hier kurz eingegangen werden.
Vor ca. 15 Jahren zählte Latex noch zu den eher seltenen Allergenen, was es heute bei weitem nicht mehr ist.
Aber ein latexartiger Saft spielt bei der seltenen Allergie auf Ficus benjamina (Birkenfeige) eine wichtige Rolle.
Die Blätter des Ficus geben einen latexartigen Saft ab, der vom Hausstaub gebunden wird, sich auf die Blätter legt und durch Luftströmungen im Wohnbereich verteilt wird.
Dieser so kontaminierte Hausstaub wird von Bewohner/innen des Hauses eingeatmet und kann allergische Reaktionen hervorrufen.
Also denken sie auch bei allergischen Reaktionen im Wohnbereich an die Zimmerpflanzen und nicht nur an die Hausstaubmilben, wobei diese nach wie vor das größte Allergen im Wohnbereich darstellen.
Blumenerde kann auch allergische Reaktionen hervorrufen, z.B. beim Umtopfen, wie wir gemeinsam mit Herrn Dr. Jorde zeigen konnten.
Nur ist es nicht die Erde, sondern wie über den EAST-Hemmtest gezeigt werden konnte, der Schimmelpilz Cladosporium herbarum, der in der Blumenerde vorkommen kann.
Auch bei den Nahrungsmitteln gibt es seltene Allergene. Dazu zählt Gelatine, die in einer Vielzahl von Produkten wie z.B. in Gummibärchen, verarbeitet wird.
Wir haben dazu gemeinsam mit Professor Kleinhans die weltweit erste Arbeit verfasst. Die allergische Reaktion auf Zur Ehrenrettung der Gelatine muss aber gesagt werden, dass diese nur sehr selten entsprechende Allergien auslöst.
Auch muss man hier zwischen der Rinder-, Schweine- und Fischgelatine als Allergen unterscheiden. Wir vermuten, dass bei den allergischen Reaktionen, nach dem Genuss von Gummibärchen, nicht so sehr der Farbstoff Tartrazin die Allergenquelle war sondern die Gelatine.
Allerdings wusste man damals noch nicht und stoppte den Einsatz von Tartrazin als Farbstoff bei der Gummibärchenherstellung und verwendete dafür fortan Obstsäfte.
Bei der Pizza kann es das Lupinenmehl sein, dass immer häufiger zur Herstellung des Pizzateigs eingesetzt wird, da es sehr preiswert ist, allerdings ist es auch ein Allergen.
Grundsätzlich kann in Bezug auf Mehl auch der Reismehlkäfer Tribolium confusum als Allergen eine Rolle spielen, dieser kann im Mehl vorkommen und durch das Einatmen des Mehlstaubs zu allergischen Reaktionen führen kann, wie Herr Professor Schulze Werninghaus zeigen konnte.
Das Carmin, das z.B. beim Campari mit verarbeitet wird, kann allergische Reaktionen auslösen, wie Professor Wüthrich aufzeigte.
Das Carmin wird aus Läusen gewonnen, die sich auf Kakteen, die auf Fuerteventura wachsen, befinden.
Nur ist das Allergen nicht der Farbstoff sondern die Kontamination des Farbstoffs mit dem Protein der Laus.
So ist das Protein das Allergen und nicht der reine Farbstoff. Dies konnte später von einer anderen Arbeitsgruppe nachgewiesen werden.
Beim einem Leguan konnten wir mit dem Magic Stick (INA) den Urin des Leguans als Allergenquelle identifizieren.
Eine Frau bekam immer dann schwere asthmatische Beschwerden, wenn sie den Käfig ihres Leguans reinigte.
Der Grund dafür war das Spreu, das mit dem Urin verunreinigt war. Die Frau atmete den mit Urin kontaminierten Staub beim Reinigen des Käfigs ein und es traten allergische Beschwerden auf.
Seminalplasma (Sperma) kann auch zu allergischen Reaktionen führen, wie wir mit Mitarbeitern zeigen konnten. Auch konnten wir über verschiedene säulenchromatographische Methoden das verantwortliche Allergen aus dem Seminalplasma isolieren und charakterisieren.
Über die spezifische IgE Messungen konnten wir in dem Serum einer Seminalplasmaallergikerin das entsprechende spezifische IgE nachweisen mit Klasse 3, d.h. klinisch sehr auffällig.
Ab Klasse 2 spricht man vom Klinischen cut off, d.h. es besteht Handlungsbedarf z.B. in Form einer spezifischen Immuntherapie.
Sie merken, es kommen immer wieder neue Allergene hinzu. Doch mit dieser kurzen Übersicht möchten wir es an dieser Stelle belassen und nur noch auf genetisch manipulierte Nahrungsmittel ganz kurz eingehen.
So können eventuell durch die genetische Manipulation von Nahrungsmitteln neue Allergene hinzukommen.
Auch das sollte bei der Herstellung solcher Nahrungsmittel mitberücksichtigt werden.
Man sollte besondere Vorsicht walten lassen und auch das allergene Potenzial berücksichtigen, um entsprechende Personengruppen nicht unnötig zu gefährden.
Vielleicht ist es ja möglich, das allergene Potential bei z.B. Früchten durch Züchtungen zu minimieren.
Von Kiwi z.B. ist bekannt, dass die goldene Kiwi eine geringere Allergenität aufweist als die grüne Kiwi.
In diese Richtung könnte durchaus gedacht werden.
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