Pollenallergie
- avantal.de
- 4. Juni 2021
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 1. Jan. 2022
Pollen und was dazu gehört.
Die Pollen, hier besonders die der Gräser, der Bäume sowie auch der Kräuter sind sehr große Verursacher von allergischen Erkrankungen bei entsprechend disponierten Personen.

Eine Polle ist eine Zelle mit männlichem Erbgut, die für die Fortpflanzung der Samenpflanzen verantwortlich ist. Sie wird von einer Pflanze freigesetzt und durch Insekten oder den Wind auf eine andere Pflanze übertragen.
Die Partikelgröße der Polle liegt bei >10µm.(1 Mikrometer = 10 hoch -6 Meter).
Neben den Hausstaubmilben wie Dermatophagoides pteronyssinus sind die Pollen die größten Allergieverursacher beim Menschen.
Es sind die Pollen der grünen Pflanzen. Allergien auf Blumenpollen, Pollen der bunten Pflanzen, sind eher selten.
Wenn, dann kommen sie bei Floristen und Gärtnern vor, die im direkten Kontakt zu den Blumen und somit auch zu den Pollen der Pflanzen sind.
Nadelbäume sind ebenfalls weit verbreitete Pollenlieferanten, die aber nur schwach oder gar nicht allergen sind.
Zu den Gräsern gehören z.B. Wiesenlieschgras (Phleum pratense), Dactilis glomerata, Lolium perenne etc. aber auch die Roggenpollen, die wie die anderen Gräser zur botanischen Gruppe der Süßgräser zählen. Hier spricht man von einer Kreuzreaktion zwischen Roggen- und Gräserpollen.
Bei den Baumpollen sind die Birke, Erle und Hasel als wichtigste Allergieauslöser zu nennen und auch noch die Esche, wobei die Esche zur botanischen Gruppe der Oleacaen und die der Birke, Erle und Hasel der Betulacaen angehören.
Die Buche und Eiche nehmen eher eine untergeordnete Rolle beim allergischen Geschehen ein.
Bei den Kräutern sind es die Pollen des Beifuss und Wegerichs und seit noch nicht so langer Zeit die des Ragweeds (Traubenkraut, Ambrosia). Pollen von Brennessel spielen eine untergeordnete Rolle.
Die Pollen fliegen zu unterschiedlichen Zeiten. So muss der Pollenallergiker sich mit einem Pollenkalender vertraut machen, in dem die Pollenflugzeiten der entsprechen-den Pflanzen aufgeführt sind. Auch sollte er ein Pollentagebuch (Allergietagebuch) führen, wo er einträgt wann und wo es bei ihm zu allergischen Symptomen kam. Das erleichtert den Allergologen/in bei ihnen das Allergen für eine entsprechende Behandlung besser einzukreisen. Der Birkenpollenallergiker sollte dabei auch auf den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel achten, aber dazu später mehr in einem anderen Kapitel.
Beginnen tut es im Jahr mit den Baumpollen, wie Hasel und Birke, dann folgen im Mai/Juni die Gräserpollen, wie z.B. Wiesenlieschgras und im August/September die Kräuterpollen wie Beifuss und November noch Ragweed.
Aber es heißt nicht das der Allergiker auf alle Pollen sensibilisiert/ allergisch reagieren muss. Er kann ganz individuell auf die einzelnen Pollen mit allergischen Symptomen reagieren.
Noch vor einigen Jahren sagte man, dass der Pollenallergiker nicht so sehr leidet wenn es regnet. Doch dann stellten Arbeitsgruppen fest, dass durch den Regen besonders aggressive Allergene aus dem Pollen rausgewaschen werden und so der Pollenallergiker auch bei Regen seine allergischen Symptome zeigt, wie z.B. Heuschnupfen und Asthma bronchiale.
Bei der Untersuchung von Pollen unter dem Elektronenmikroskop stellte man fest, dass diese mit Chemikalien aus Industrie-Autoabgasen und Dieselruß behaftet sind. Es wird vermutet das die Pollen, die so mit Umweltschadstoffen verunreinigt sind, die Allergene leichter freisetzt und diese so leichter die Schleimhaut der Nase der Allergiker durchdringen, um dann die entsprechenden Symptome hervorzurufen, wie z.B. eine Rhinitis (Heuschnupfen).
Untersuchungen von mit Ozonbelasteten Pollen, die wir mit Mitarbeitern durchführten ergaben, dass durch die Ozonbelastung die Konzentration eines Hauptallergens bei Gräsern, nämlich Phl p 5, zugenommen hatte im Vergleich zu nicht so stark Ozon belasteten Graspollen. Das muss im Kontext mit der Klimaveränderung gesehen werden (erhöhte Ozonbelastung der Luft). Durch die deutliche Zunahme von Phl p5 wuchs auch die allergene Potenz der Gräserpollen, d.h. sie wurden „aggressiver“.
Die Umweltverschmutzung hat wohl einen Einfluss auf die Aggressivität der Pollen. Das sollte noch intensiver verfolgt werden, auch unter dem Aspekt der Klima-veränderung.
In Japan stellte man fest, dass Personen, die in einem Gebiet mit großer Diesel-abgasbelastung aber mit relativ geringen Pollenflug der japanischen Zeder lebten, häufiger allergisch auf diese Pollen reagierten als Personen, die in einem Gebiet mit hohem Pollenaufkommen aber ohne Dieselabgasbelastung wohnten. Ein weiteres Indiz für den Einfluss der Umweltschadstoffe auf die allergene Potenz von Pollen.
Auf dem Land treten die höchsten Pollengehalte tagsüber auf. In der Großstadt kommt es erst abends gegen 20-21 Uhr zu den höchsten Pollenkonzentrationen. Am Morgen freigegebene Pollen werden mittags hoch in die Luft getragen und sinken am späten Nachmittag oft mehrere Kilometer entfernt herab. Deshalb sollte der Stadt-pollenallergiker besonders abends die Fenster geschlossen halten. Auch kann er an Pollengitter denken, die er vor das Fenster spannt und im Auto an Pollenfilter bei der Klimaanlage. Aber zur Pollenflugzeit muss er auch die Fenster und das Schiebedach seines Autos geschlossen halten.
Untersuchungen ergaben, dass Allergiker am Steuer nach Expertenmeinung ein Sicherheitsrisiko darstellen. Sie haben ein zu 30% höheres Unfallrisiko als Nichtallergiker. Man stellte sogar fest, dass es zur Pollenflugzeit mehr Unfälle gibt als nicht zur Pollenflugzeit. Aber systematisch wurde das noch nicht untersucht, aber einen Zusammenhang kann da vermutet werden.
Wie erkennt man nun welche Pollen sich gerade in der Luft befinden?
Über Pollenfallen, die auf Gebäuden sich befinden, werden die Pollen aus der Luft gefangen, indem sie an einer Art Tesafilm festkleben und so elektronenmikroskopisch , nach einer speziellen Anfärbung, identifiziert werden können. Jede Polle hat ihre eigene Struktur und kann so von Fachpersonal identifiziert werden.
Das spielt auch eine große Rolle für Allergiefirmen, die die reinen Pollen von entsprechenden Firmen, wie z.B. Allergon in Ängelholm, Schweden, zur Herstellung ihrer Präparate einkaufen müssen, die z.B. zur Durchführung der spezifischen Immuntherapie beim Patienten benötigt werden. Da ist eine sehr hohe Reinheit der Pollen gefordert, wie man sich leicht vorstellen kann. Die Anforderungen dazu sind in den Nordic guide lines genau festgeschrieben.
Was fliegt denn da so an Mengen an Pollen in der Luft?
Eine Roggenähre weist 4,2 Millionen Pollenkörner auf. Ein Haselnussstrauch mittlerer Größe 600 Millionen Pollen. So fallen in Mitteleuropa im Schnitt 27 000 Pollenkörner pro cm2. Stellen sie sich einmal ein Feld mit Roggenähren vor und dann die Anzahl der Pollen, kaum zu greifen die Zahl finde ich.
Schwedische Untersuchungen zeigten, dass Neugeborene, die zur Birkenpollenflugzeit geboren wurden, häufiger Birkenpollenallergiker waren als Neugeborene, die zu anderen Jahreszeiten zur Welt kamen. Der Grund dieses Phänomens ist noch völlig unerschlossen.
Wenn man in den Urlaub fährt sollte man beachten, dass es sogenannte Kreuzreaktionen gibt, d.h. einfach ausgedrückt, verschiedene Pflanzen haben die gleichen Allergene. So sollte ein Eschepollenallergiker daran denken dass es zu Ölbaumpollen eine Kreuzreaktion gibt, die z.B. in Griechenland vorkommen. So kann der Eschepollenallergiker auch zur Flugzeit der Ölbaumpollen z.B. in Griechenland im Urlaub allergische Reaktionen zeigen. Beide gehören der botanischen Gruppe der Oleacaen an, wie auch der Flieder. Auf das Phänomen der Kreuzreaktion werden wir in einem anderen Kapitel ausführlich eingehen.
Birkenpollenallergiker können schon bei warmen Winter im Dezember allergische Reaktionen zeigen, da dann schon die Haselpollen fliegen und es eine Kreuzreaktion zwischen Birke und Hasel aber auch zur Erle gibt.
Also wenn man so will sind die Pollen die größten Luftverschmutzer, aber so hart wollen wir das nicht sehen, obwohl Pollenallergiker einen sehr hohen Leidensdruck ausgesetzt sind, aber zum Glück gibt es ja zur Linderung dieser Erkrankung entsprechend wirksame Medikamente, auf die wir in einem anderen Kapitel eingehen werden.
Man kann sogar sagen, dass es länderspezifische Pollen/Pflanzen gibt. In Skandinavien sind es die der Birken, in den USA die des Ragweeds, in mediterranen Ländern die des Glaskrauts (Parietaria) und des Ölbaums, in Japan die der japanischen Zeder und in Deutschland die der Gräser hier besonders des Roggens. Von all den sind die Atopiker (Allergie wird vererbt) am stärksten von allergischen Erkrankungen, betroffen.
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